miracle of another new day
selection of michael kenna's photographs of japan
Dauer der Ausstellung: 30.05 - 18.07.2026
Öffnungszeiten:
Do + Fr 14:00 bis 18:00 Uhr
Sa 12:00 bis 17:00 Uhr
Michael Kenna wurde 1953 in Widnes, Lancashire (UK), geboren. Er wuchs in einer irisch-katholischen Arbeiterfamilie auf und begann zunächst eine Ausbildung zum Priester,, die er jedoch zugunsten eines Studiums am Banbury School of Art sowie später am London College of Printing abbrach. Über die Malerei fand er schließlich zur Fotografie. 1977 zog Kenna in die USA nach San Francisco, wo er mehrere Jahre als Assistent der Fotografin Ruth Bernhard arbeitete. Seit den frühen 1980er-Jahren stellt er international aus und etablierte sich mit seinen meist kleinformatigen, schwarzweißen Landschaftsaufnahmen als eine prägende Position der zeitgenössischen Fotografie. Seine Arbeiten befinden sich heute weltweit in zahlreichen bedeutenden Museumssammlungen.
Michael Kennas Bilder entstehen aus geduldigen, sensiblen Auseinandersetzungen. Sie sind Prozesse der Konzentration, des Sich-Einlassens; der Versuch, durch ästhetische Annäherung die Geheimnisse hinter dem Sichtbaren hervorzubringen. Immer wieder kehrt er an dieselben Orte zurück, um sie jedes Mal unter veränderten Wetterbedingungen und Lichtstimmungen neu zu entdecken. Die Naturphänomene schreiben sich durch minuten- bis stundenlange Belichtungszeiten in die Bilder ein. Strukturen und Oberflächen werden weich und entfalten eine träumerische Bildwirkung. Ästhetik/Subjektiv
Japan genießt in Michael Kennas Werk eine herausragende Bedeutung. Seit seinem ersten Besuch 1987 hat er das Land immer wieder bereist. Seine Faszination begründet er vor allem in der Energie und Lebendigkeit der Landschaft. Ebenso nehmen die japanische Kultur und Mentalität Einfluss auf ihn und seine künstlerische Praxis. Nicht ohne Grund nennt er seine Bilder auch „visuelle Haikus". Wie die dreizeiligen Gedichte entfalten sie ihren Assoziationsreichtum durch eine klare Form und die Reduktion auf wenige Elemente.
Die Schönheit sucht Kenna nicht im Spektakulären, sondern im Unscheinbaren. Etwa wie sich die Morgensonne über einem schneebedeckten Hügel allmählich durch die Wolkendecke schiebt, oder das Skelett eines kahlen Baumes, der leise und geduldig auf den wiederkehrenden Frühling wartet. Er versteht es, unauffällige Momente in präzisen Kompositionen festzuhalten. Ruhe, Zurückgezogenheit und Stille prägen die Bildatmosphäre. Lediglich ein einsamer Zaun oder Steg verweisen auf eine zuvor dagewesene menschliche Anwesenheit.
Michael Kenna hat über fünf Jahrzehnte diese Bildsprache konsequent verfolgt. Sein Equipment besteht seit jeher aus Mittelformatkamera und Schwarzweißfilm. Was heute schon fast traditionalistisch erscheint, ist eine von Kenna empfundene Notwendigkeit, um seine beharrliche Auseinandersetzung mit Orten und Motiven in Bilder zu übersetzen. Die von ihm angefertigten Vergrößerungen erfordern einen hohen technischen Anspruch, um die feinsten Nuancen und Tonwertabstufungen herauszuarbeiten. Für Kenna ist dies nicht bloß ein handwerklicher Schritt, sondern ein eigenständiger, kreativer Akt. Er sieht darin die Möglichkeit, das Bild so zu gestalten, wie er es sehen möchte, anstatt lediglich zu reproduzieren, was vor der Kamera war.
Ihrer Entstehung entsprechend verlangen die Bilder auch eine geduldige Betrachtung. In einem bescheidenen Format von 20 × 20 cm entfaltet sich ihre Bildwirkung durch Intimität und genaues Hinsehen. Michael Kennas Fotografie ist eine Einladung, für einen Moment anzuhalten, zu verweilen und sich einzulassen, um sich auf die unscheinbaren Wunder zu besinnen, die sich tagtäglich ereignen.