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PEST IN DER MANDSCHUREI

1910/1911

 

Dauer der Ausstellung: 21.02 - 23.05.2026

 

Öffnungszeiten:

Do + Fr 14:00 bis 18:00 Uhr

Sa 12:00 bis 17:00 Uhr

 

Veranstaltungen:

21.02 16:00 Eröffnung

13.03 17:00 Lesung zur Ausstellung

16.04 17:00 Führung durch die Ausstellung


In der Mandschurei, eine Region im Nordosten Chinas, brach im Herbst 1910 die schwerste Epidemie einer Lungenpest in der bekannten Menschheitsgeschichte aus. 60.000 Menschen starben an der tödlichen Seuche. Erstmals handelte es sich dabei um den Verlauf einer Pestepidemie in der Neuzeit, der wissenschaftlich analysiert und zugleich umfassend fotografisch dokumentiert wurde. Das FORUM FÜR FOTOGRAFIE KÖLN präsentiert ein äußerst seltenes Fotoalbum, das Ereignisse dieser Zeit festhält. Die Fotografien bieten nicht nur einen Einblick in frühe Dokumentarfotografie unter widrigen Umständen, sondern regen auch zur Auseinandersetzung mit einer in Europa weitestgehend unbekannten, historischen Episode an, die jedoch Erinnerung an die COVID-19-Pandemie hervorruft.

Das Epizentrum des Pestausbruchs in der Mandschurei war die Großstadt Harbin. Geografisch zwar dem chinesischen Qing-Reich zugehörig, lag sie jedoch innerhalb eines russischen Pachtgebiets, das für die Errichtung eines Eisenbahnnetzes genutzt wurde. Als internationaler Verkehrsknotenpunkt zwischen der Transsibirischen Eisenbahn und dem japanischen Eisenbahngesellschaft in der südlichen Mandschurei unterlag Harbin geopolitischem Interesse und der Einflussnahme der benachbarten Imperialmächte. So sollte die Pest sich schon bald zu einem weltpolitischen Ereignis entwickeln, in das sich auch europäische und US-amerikanische Kräfte einmischten. Medizin wurde dabei zum missbrauchten Instrument konkurrierender Machtpolitik.

Vielmehr als die begrenzten wissenschaftlichen Kenntnisse führten dabei machtpolitische Spannungen zu einem verhängnisvollen Verlauf der Krankheit. Die Identifizierung der Krankheit als von Mensch zu Mensch übertragbare Lungenpest, sowie die damit zusammen-hängenden sozialmedizinischen Entscheidungen über Schutzmaß-nahmen, wie Quarantäne und das Tragen von Masken, wurden durch die internationalen Interessenkonflikte fatal behindert. Zusätzlich wurde die Eisenbahn zum Beschleuniger der Epidemie und somit zu einem Massenmedium der Krankheitsverbreitung über Tausende Kilometer, woraus sich schon bald ein kontinentales Bedrohungs-szenario entwickelte.

Fotografie nahm im Verlauf der Pest eine vielfältige Rolle ein. Sie diente sowohl der Berichterstattung, zugleich aber auch als moderne wissenschaftliche Methode der Information. Die entstandenen Foto-grafien wurden vorwiegend in hochwertigen und transportfähigen Fotoalben angelegt. Entsprechend archivarischer Ordnungspraktiken wurden die meisten dieser Alben auseinandergerissen, wodurch ihr narrativer Aufbau, Bildbezüge und Zweck der Fotos verloren gingen. Das von uns präsentierte Fotoalbum ist, neben einem Exemplar in Russland und einem weiteren in den USA, vermutlich eines von lediglich drei vollständig erhaltenen Zeugnissen dieser Art. Sowohl das historische Objekt selbst, als auch Vergrößerungen der enthaltenen Fotografien sind Gegenstand der Ausstellung im FORUM FÜR FOTOGRAFIE KÖLN.

Die außergewöhnlichen Ereignisse und Hintergründe der Pestepidemie von 1910/11, die herausragende Qualität der Fotografien, die voll-ständig erhaltene Bildreihenfolge und somit die nachvollziehbare, ursprünglich beabsichtigte narrative Buchdramaturgie, die Nähe des Themas zur weltweiten COVID-19-Pandemie sowie nicht zuletzt die außerordentliche Seltenheit dieses Bildmaterials machen die Ausstellung zu einer einzigartigen Dokumentation an dieser historischen Schnittstelle von Medizin, Geopolitik und Fotografie.

 

Bildreferenzen:


Foto 1&2:

 

Scans der Originalfotos aus dem präsentierten Fotoalbum