edgar l_bi.bo_kleinmottalebi_1mottalebi_2mottalebi_3mottalebi_4mottalebi_5

Dialogausstellung: Malerei/Fotografie

 

 

12. Februar - 2022

 

 

Malerei: Maryam Mottalebi - Politiker-Portraits

Die Serie eindrucksvoller kleinformatiger Ölgemälde von Maryam Mottalebi zeigt Gesichter von Politikern, die auf das Leben der Künstlerin und die politischen Ereignisse der Gegenwart prägenden Einfluss genommen haben. Die portraitierten Politiker haben durch ihre allgegenwärtige Präsenz in den Medien einen kaum zu überbietenden Bekanntheitsgrad. Die medienübliche Darstellung des Gesichts wird durch die Malerei von Maryam Mottalebi durch respektloses Aufspalten von Gesichtslandschaften  in inkohärente Flächen und Farbfelder bezüglich des individuellen Umgangs mit Macht und persönlicher Verantwortung tiefgründig reflektiert. So  stellt sich bei jedem einzelnen portraitiertem Politiker die Frage, welche psychischen Strukturen, aber auch Ideologien und machtpolitische Interessen die aktuelle oder historische Bedeutung dieser Politiker prägen.

 

 

Fotografie: Edgar Leciejewski – breathe in / breathe out

 

Die gegenwärtige pandemische Situation wirft noch einmal ein besonderes Licht auf die neue Werkserie „breathe in / breathe out“ von Edgar Leciejewski, die dem Sonderfall der Begrüßung gewidmet ist, die sich mit dem kühlem Begriff „Politiker:innenkuss“ umschreiben lässt.

 

Leciejewski stellt zweiundsiebzig Fotografien von Politiker:innen zu einer Bildfolge zusammen, die sich als Leporello inhaltlich-formal passend zu einer weltpolitischen Parade aufklappen lässt. Weil Leciejewski seine Bildauswahl auf den Zeitraum der vergangenen zwanzig Jahre beschränkte, lässt sich an der Serie mit den teilweise bizarren Fotografien unter anderem ablesen, dass der berühmte „sozialistische Bruderkuss“ unter Ostblock-Machthabern keineswegs einen historischen Sonderfall darstellt. Auch demokratisch gewählte Politiker:innen setzen auf die Symbolkraft des öffentlichen Kusses.

 

„Man denke nur an die Friedensküsse unter Königen, an kniefällige Handküsse von
Päpsten, an Verzweiflungs- und Leidenschaftsküsse auf Kreuze, Bilder und Reliquien.
Ein rituelles Ensemble aus unserer Kulturgeschichte, das sich sogar auf intime Beziehungen, familiäre und bürgerliche Szenen übertragen lässt: auf den Elternkuss, den Versöhnungskuss, den besiegelnden Kuss vor dem Standesamt und so fort.“ Mit „breathe in / breathe out“ macht Leciejewski mit Hilfe der Fotografie klar, dass wir den Akt des Küssens nur zur Hälfte begreifen, wenn wir dabei ausschließlich an die Liebe und Zuneigung denken.“

 

Kito Nedo

 

 

 

 

 

[nach oben]